Ratgeber Kleinkinder und Kids: Lesen lernen, Erziehung ab 8 Moante, 12 Monate von Tanja Ehrhardt
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Trotzkopf: Erziehung, Erziehungstipps für Eltern und Lesen lernen




Tipps: Kinder ab 12. Monate

Meilensteine zwischen dem 12. und 16. Monat
Ab dem 12. Monat
- selbständig stehen
- mit oder ohne Hilfe laufen können
- Küßchen geben
- Spielsachen geben und nehmen

Ab dem 14. Monat
- mit Gesten oder Wörtern zu kommunizieren versuchen
- ohne Hilfe für eine kurze Zeit laufen und stehen



Ab dem 15 Monat
- einen Löffel benutzen
- selber mit den Fingern essen
- Erwachsene Imitieren
- mit Gleichaltrigen kommunizieren

Die Sinne schärfen

Dinge, die sich bewegen, faszinieren Kinder in diesem Alter. Geben Sie ihm daher oft Gelegenheit, sie mit Blicken zu verfolgen. Es möchte einem Auto nachschauen, der Straßenbahn, einem Pferd, einem Traktor, einem fließenden Bach, einem Zug, einem Baukran usw. Machen Sie es darauf aufmerksam, und bleiben Sie stehen, damit es wirklich gut sehen kann, nicht abgelenkt wird und das Objekt aus seinem Blickfeld verliert. Es übt dabei vielseitige Augenbewegungen, erweitert seinen Gesichtskreis und lernt, den Kopf beim Beobachten mitzudrehen (früher drehte es ja den ganzen Körper, wenn es eine Bewegung verfolgte). In der Wohnung eignen sich zur Beobachtung rollende Bälle, Spielzeug auf Rädern, Papierflugzeuge usw. Lassen Sie Ihr Kind möglichst auch an den vielen häuslichen Tätigkeiten teilnehmen, wie z. B. Aufräumen, Kehren und Staubsaugen, Wischen, Geschirr spülen, Wäsche waschen und bügeln. Fenster öffnen und schließen.

Geben Sie Ihrem Kind die Möglichkeit, mit seinen Händen sehr viele unterschiedliche Materialerfahrungen zu sammeln: mit Wasser, Sand, Kieselsteinen, Erde, Badeschaum, Toilettenpapier, glattem und zerknülltem Papier, Bausteinen aus verschiedenem Material, Sägespänen. Holzwolle usw. Jedes Material fühlt sich anders an, und Ihr Kind wird dadurch feinfühliger. Setzen Sie sich oft zu ihm, und zeigen Sie ihm, was man mit einem bestimmten Material alles gestalten und spielen kann.

Die Wahrnehmungsfähigkeit Ihres Kindes können Sie gezielt unterstützen, indem Sie ihm immer wieder etwas Neues zeigen oder erleben lassen. Das beginnt schon beim täglichen Spaziergang. Gehen Sie nicht immer den gleichen Weg.

Variationsvorschläge:
ruhiges Stadtviertel mit Bäumen, belebte Stadtstraße, Feldwege, Spazierwege durch Wald und Wiesen, Park, Bahnhof, Dorfstraße, See und Flußufer, Gebirgsgegend, flaches Land, Küste. Dies als Anregung. Zweibis dreimal im Monat sollten Sie mit Ihrem Kind in einer weniger vertrauten Umgebung Spazierengehen. Dies bringt Ihrem Kind im Wechsel der Jahreszeiten neue Erlebnisse und Erfahrungen. Während dieser Ausflüge machen Sie es auf möglichst viele Dinge aufmerksam. Auch wenn Sie keine deutliche Reaktion bemerken. nimmt es doch viele Eindrücke in sich auf (Menschen. Farben, belebte und ruhige Gebiete, große und kleine Häuser usw.) und verarbeitet sie.

Veranstalten Sie mit Ihrem Kind in jeder Woche einige Suchspiele. Wenn Sie dazu Gegenstände auswählen, die es gern hat (womit es aber nicht gerade spielt), dann ist das Finden zugleich eine Belohnung. Beginnen Sie mit einfachen Spielen. Ein Beispiel: Sie legen, einen Ball unbeobachtet in die Mitte des Zimmers und fragen: «Wo ist der Ball? » Loben Sie Ihr Kind sehr, wenn es diese schwierige Aufgabe gelöst hat. Beim nächstenmal legen Sie den Ball auf den Tisch, dann unter einen Stuhl usw. So wird die Aufgabe immer schwieriger. Natürlich müssen Sie nicht immer den gleichen Gegenstand verstecken, und mehr als fünfmal pro Woche sollten Sie das Spiel nicht durchführen, weil Ihr Kind sonst die Lust daran verliert.

Übrigens kann auch ein nicht versteckter Gegenstand schwer zu finden sein: wenn er die gleiche Farbe wie der Hintergrund hat.
Auch dabei übt das Kind das genaue Hinsehen und Vergleichen.

Singen Sie Ihrem Kind möglichst jeden Tag ein paar Lieder vor. Nehmen Sie es dabei auf den Schoß, oder setzen Sie sich neben es, während es spielt. Die Liedertexte sind weniger wichtig, es kommt in erster Linie darauf an, daß Ihr Kind durch die Melodien im Aufnehmen akustischer Reize angeregt wird. Nach einiger Zeit wird es versuchen, sich zu beteiligen, es singt mit. Dabei übt das Kind seine Ausdrucksfähigkeit und seine Stimme. Es erfährt, daß Singen eine Sache des ganzen Körpers ist, und bekommt so im Laufe des zweiten Lebensjahres auch ein Gefühl für den Rhythmus. Am Ende dieses Lebensjahres sollte es die Melodie und den Sprechrhythmus von etwa zehn Liedern gut kennen (was aber nicht heißt, daß es sie auch fehlerfrei sprechen kann!). Hier einige Vorschläge:
Kuckuck, Kuckuck, ruft's aus dem Wald...
Alle meine Entchen...
Hopp, hopp, hopp, Pferdchen lauf Galopp
Laterne. Laterne. Sonne, Mond und Sterne...
Alle Vögel sind schon da...
Meister Jakob, Meister Jakob...

Denken Sie beim Singen auch daran: Sprechen Sie die Wörter deutlich aus. Singen Sie kräftig, aktiv, in bewegten Zeitmaßen. Erklären Sie Ihrem Kind den Inhalt der Lieder (sie sollten deshalb weder kitschig noch grausam sein). Singen Sie nicht nur beim Spielen. sondern auch manchmal bei der Hausarbeit. So bekommt Ihr Kind mit, daß Musik keine «Ausnahmesituation» voraussetzt. Zeigen Sie Ihrem Kind, daß es Spaß macht, beim Singen mitzuklatschen, den Rhythmus auf einem Instrument oder durch Klopfen zu begleiten. Singen Sie bei sauerstoffhaitiger Luft, also im gut gelüfteten Zimmer oder im Freien.

Weitere Anregungen für das Gehör bieten Musikstücke von Tonband, Compact-Discs oder Schallplatten sowie (gelegentlich, nach Programm...) Radio und Fernsehen. Durch die Auswahl der Musik beeinflussen Sie den musikalischen Geschmack Ihres Kindes. Daher sollten Sie, um eine einseitige Prägung zu vermeiden, für ein breites Spektrum von musikalischen Eindrücken sorgen. Es genügt völlig, wenn Ihr Kind jeden Tag zehn bis zwanzig Minuten Musik hören kann. Ständige «Berieselung» sollten Sie eher vermeiden.


Spielen

Ihr Kind sollte seine Wohnumgebung gut kennenlernen. Gehen Sie beispielsweise an zwei Tagen in der Woche genau denselben Weg, an einem anderen Tag regelmäßig einen zweiten und an den übrigen Tagen völlig unterschiedliche Wege. Durch diese Regelmäßigkeit wird es mit den Straßen vertraut, stellt bestimmte Erwartungen, überprüft diese Erwartungen und beachtet immer wieder neue Dinge. Bei den wiederholten Erfahrungen festigen sich seine Einstellungen, Begriffe und Denkweisen, mit den neuen Erlebnissen erweitern Sie seinen Horizont und regen das kreative Denken an.
Unternehmen Sie jeden Tag eine kleine Entdeckungsreise, bei der es Anregungen zum Nachdenken erhält:

Zeigen Sie ihm, daß Bäume unterschiedliche Blätter haben, indem Sie ihm vier gleich große
Blätter (etwa von einem Kastanienbaum) und ein anderes Blatt (z. B. von einer Buche) zum Betrachten und Vergleichen geben. Nehmen Sie einen kleinen Ast mit drei bis sechs Verzweigungen mit nach Hause, und lassen Sie Ihr Kind einige Zeit damit spielen. Dann fahren Sie mit Ihrem Zeigefinger von der Bruchstelle bis zur Zweigspitze. Legen Sie den Ast auf ein großes Stück Papier, und zeichnen Sie mit einem Stift seine Konturen nach. Ihr Kind kann dabei Zweig und Zeichnung vergleichen und versuchen, den Zweig richtig auf die Zeichnung zu legen. Pflücken Sie in den Frühlingsund Sommermonaten jede Woche einen anderen kleinen Blumenstrauß, und zwar in dieser Zusammenstellung: einmal zehn Blumen der gleichen Sorte (z. B. Gänseblümchen), in der nächsten Woche nur fünf Blumen dieser Sorte und fünf einer anderen Sorte, darauf einen Strauß mit zehn verschiedenen Blumenarten.

Ziehen Sie Ihr Kind aus der Rückenlage an den Füßen hoch, und lassen Sie es langsam in die gleiche Lage zurückgleiten. Dann ziehen Sie es noch einmal hoch und lassen es zwei Sekunden frei hängen. Es wird versuchen, die Hände Halt suchend auf den Boden zu stützen. Dann lassen Sie es über die Bauchlage auf den Boden zurückgleiten.

Ziehen Sie Ihr Kind gelegentlich ein kleines Stück (etwa 5 cm) an den Händen hoch. Es soll dabei Ihre beiden Daumen umfassen. Sobald Sie merken, daß sein Griff sich zu öffnen beginnt, setzen Sie es wieder ab.

Spielen Sie Fangen um einen Hocker oder einen kleinen Tisch: Wenn Ihr Kind Ihnen nachgeht oder nachkrabbelt, weichen Sie ihm aus. Nach zwei Umläufen lassen Sie sich wirklich fangen und beim nächstenmal geht es in der entgegengesetzten Richtung weiter. Spielen Sie jeweils dreimal: Gehen Sie um den Tisch (anfangs wird sich Ihr Kind noch daran festhalten). Krabbeln Sie um den Tisch. Achten Sie darauf, daß Ihr Kind richtig krabbelt: Die rechte Hand greift vor, das linke Bein wird nachgesetzt; die linke Hand greift vor, das rechte Bein wird nachgesetzt usw. Bei diesem Spiel werden fast alle Muskeln angeregt und angestrengt, und das macht Ihrem Kind sicher großen Spaß.

Für die folgende Übung werden zwei Erwachsene benötigt. Einer spielt «Pferd» und kniet sich auf den Boden, der andere hält das Kind beim Reiten am Oberarm fest. Dann krabbelt das «Pferd» los. Anfangs müssen Ihre Bewegungen dabei sehr langsam und gleichmäßig bleiben. Etwa ab eineinhalb Jahren können Sie schneller krabbeln und zwischendurch auf die Hilfestellung verzichten. Diese Übung macht Ihrem Kind besonders großen Spaß. Sie dient der Entwicklung eines sicheren Gleichgewichtssinns und schneller Ausgleichsreaktionen.

Setzen Sie Ihr Kind in eine Zimmerecke, und gehen Sie dann schnell in die gegenüberliegende Ecke. Von dort aus rufen Sie es zu sich und fangen es mit ausgebreiteten Armen auf. Machen Sie dann mit ihm der Reihe nach folgende Übungen: Greifen Sie es unter beide Arme, heben Sie es hoch in die Luft. Bringen Sie es dort in eine waagerechte Schwebelage. Heben Sie es hoch, und setzen Sie es hinter Ihren Kopf auf die Schultern, so daß seine Beine rechts und links herunterhängen. Halten Sie es dabei sehr fest an seinen Unterarmen, damit es Ihnen nicht entgleiten kann, wenn es sich plötzlich abstemmt oder aufbäumt. Heben Sie es hoch, und nehmen Sie es «Huckepack» (seine Oberschenkel umklammern Sie in Hüfthöhe). Bleiben Sie bei einigen dieser Hebeübungen am gleichen Ort stehen, und gehen Sie bei anderen mit Ihrem Kind im Zimmer herum. Es sieht dann seine Umgebung einmal aus einer ganz neuen Perspektive und bekommt außerdem einen großen Erfahrungsschatz mit allen denkbaren Gleichgewichtsund Ausgleichsübungen. Beginnen Sie langsam, damit sich Ihr Kind nicht ängstigt. Später können Sie das Tempo steigern.

Kind und Umwelt

Hat Ihr Kind schon ein erstes erkennbares Wort gesagt? Oder warten Sie noch darauf? Erzählen Ihnen Eltern gleichaltriger Kinder, daß ihre Sprößlinge schon einige Wörter sprechen, wogegen Ihr eigener nur «unverständliche» Laute hervorbringt? Lassen Sie sich dadurch nicht verwirren. Jedes Kind lernt zu einem anderen Zeitpunkt sprechen, so, wie jedes Kind zu einem anderen Zeitpunkt laufen lernt (das gezielte und klare Sprechen einzelner Wörter beginnt erst etwa ab 18 Monaten). Drängen Sie Ihr Kind auf keinen Fall, sondern geben Sie ihm vielmehr Gelegenheit, Wörter verstehen zu lernen. Das bedeutet: Sprechen Sie sehr viel mit ihm. Erzählen Sie ihm alles, was Sie tun. Erklären Sie ihm die Dinge, die es sieht und erlebt. Stellen Sie ihm Fragen, auch wenn Sie wissen, daß Sie darauf noch keine richtige Antwort erwarten können. Sagen Sie ihm, daß es jetzt gewickelt wird und frische Windeln bekommt, daß Sie es kämmen, daß Sie den Tisch decken, daß Sie dabei Teller, Löffel usw. auf den Tisch legen, daß Sie gleich mit ihm Spazierengehen werden. So hört Ihr Kind regelmäßig bestimmte Wörter und überrascht Sie eines Tages damit, daß es eines davon sagt. Die folgenden Regeln erleichtern es Ihrem Kind, Wörter zu verstehen und aussprechen zu lernen: Verwenden Sie immer wieder dieselben Wörter und Sätze, und zeigen Sie Ihrem Kind dabei, was gemeint ist. Reden Sie mit Ihrem Kind in einfachen, kurzen Sätzen. Erklären Sie ihm alles in einem liebevollen und freundlichen Ton (auch nach vielen Wiederholungen), aber nicht in singendem Kleinstkind oder Babyton. Benutzen Sie bewußt alle Wortarten (Hauptwort, Tätigkeitswort, Eigenschaftswort, Verhältniswort usw.). Erläutern Sie ein selten gebrauchtes Wort durch bekannte Wörter. Sprechen Sie deutlich, betonen Sie gut. Bemühen Sie sich, präzise zu sprechen, das heißt, benützen Sie Wörter wie «machen» oder «tun» möglichst wenig, suchen Sie andere Ausdrücke.

Das Selbstbild Ihres Kindes wird wesentlich durch die Informationen geformt, die es über sich von Ihnen erhält. Sagen Sie deshalb in seiner Gegenwart nie negative Dinge über Ihr Kind. In den ersten drei bis sechs Lebensjahren verläßt es sich noch völlig darauf, daß das, was Sie sagen, auch wirklich stimmt. Wenn es von Ihnen viele positive Aussagen über sein Können und seine Leistungen hört, gewinnt es Vertrauen zu sich. Es möchte sich beweisen, daß Ihre

 

Anerkennung begründet ist, und übt deshalb auch mehr als ein mit negativen Urteilen (Dreckspatz usw.) belastetes Kind. Wenn Ihr Kind von seiner eigenen Leistungsfähigkeit überzeugt wird, packt es mit Selbstvertrauen neue Aufgaben an und verzweifelt nicht bei jeder Schwierigkeit.

Andererseits wäre es natürlich auch falsch, das Kind allzu überschwenglich (und unbegründet) zu loben. Das würde sicher später zu einer Enttäuschung führen, wenn es seine Fähigkeiten mit denen anderer Kinder vergleicht. Dazu ein konkretes Beispiel: Nehmen Sie an, daß Ihr Kind einen Teller zerbrochen hat. Sagen Sie bitte nicht: «Das habe ich mir gleich gedacht, daß das schiefgeht!» (Wenn Sie das wirklich gedacht haben, hätten Sie ihm den Teller nicht geben dürfen!) Verkneifen Sie sich auch den zornigen Ausruf: «Du •machst alles kaputt!» (Das stimmt gewiß nicht!) Auch die Frage: «Warum hast du denn nicht aufgepaßt?» wäre falsch. Denn Ihr Kind ist subjektiv davon überzeugt, daß es sich Mühe gegeben hat. Richtig ist dagegen folgende Reaktion: «Schade, daß der Teller zerbrochen ist! Wir werden einen anderen kaufen. Das ist mir auch schon passiert!» Lassen Sie Ihr Kind auf jeden Fall weiterhin Teller tragen. Geben Sie ihm Geschirr, das eventuell kaputtgehen darf (was Ihr Kind natürlich nicht wissen soll). Holz und Plastikgeschirr eignet sich für diese Aufgabe jedoch nicht. Denn wenn es herunterfällt und nicht zerbricht, fragt sich Ihr Kind, wieso es das eigentlich so vorsichtig tragen sollte! Ihre eigene Selbstsicherheit und die Ihres Partners spielt übrigens für die sich entwickelnde Selbstsicherheit Ihres Kindes eine wichtige Rolle. Unsicherheiten und Zweifel werden von Ihrem Kind wahrgenommen und als «richtiges» Verhalten übernommen. Ihr Kind sieht Sie beispielsweise in einem Geschäft sehr lange zwischen verschiedenen Waren zögernd mit der Kaufentscheidung verharren. Es übernimmt unter Umständen diese zögernde Haltung (nicht aufgrund einer einzigen, zögerlichen Entscheidung, wohl aber, wenn es dieses Verhalten häufig erlebt). Oder: Sie können kaum eine Wahl treffen, ohne zuvor Ihren Partner gefragt zu haben... Haben Sie nie Zweifel an Ihrem eigenen Verhalten also vielleicht zuviel Selbstsicherheit? Dann sollten Sie kritisch über sich nachdenken und Ihr Verhalten ändern. Falls Sie in einer gesellschaftlichen Randposition leben, finanziell stark belastet sind oder in einer persönlichen Krisensituation (wegen eines Partnerproblems oder einer Krankheit usw.), ist die Gefahr groß, daß Ihr Kind die dabei erlebte Unsicherheit zu spüren bekommt und in seine «Weltsicht» aufnimmt. Es erlebt dann die Umwelt als bedrohlich. Zur Überwindung dieser Situation sollten Sie ganz bewußt und gezielt Kontakt zu anderen Menschen aufnehmen, die Ihnen und Ihrem Kind helfen können nehmen Sie auch unbedenklich Hilfsangebote an. Helfen Sie auch anderen, die Sie in einer belastenden Lebenssituation erleben, damit Ihr Kind solche Handlungsweisenerfährt.

Lassen Sie Ihr Kind in zunehmendem Maß «schwierige» Aufgaben bewältigen, und loben Sie es, wenn es geklappt hat. So stärken Sie sein Selbstvertrauen und ermutigen es zur Entwicklung und Ausbildung seiner Fähigkeiten. Wenn zwischendurch mal wieder ein Malheur passiert, besprechen Sie es, erwähnen Sie aber kurz darauf einige positive Leistungen. Damit verhindern Sie, daß Ihr Kind sich zu sehr kritisiert.

Fördern Sie systematisch die Leistungsfähigkeit Ihres Kindes, indem Sie alle Entwicklungsanregungen möglichst regelmäßig durchführen. Dabei entwickelt Ihr Kind sehr vielseitige Erfahrungen mit sich und seiner Umwelt und erlebt gleichzeitig alle seine bereits vorhandenen Möglichkeiten. Es wird selbständiger und lernt, sich selbst zu vertrauen und eigene Entscheidungen zu treffen.

Stellen Sie Ihr Kind täglich vor drei bis fünf Wahlsituationen, die es mit Erfolg bearbeiten kann. Voraussetzung dabei ist, daß Ihr Kind die Möglichkeiten, zwischen denen es wählen soll, gut kennt. Es muß abschätzen können, welche Folgen mit der Wahl einer bestimmten Alternative verbunden sind. Wahlsituationen führen zu einer bedeutenden Aktivierung der eigenen Persönlichkeit und des Denkens. Dies wiederum trägt zur Entwicklung der Selbstsicherheit und des Selbstwertgefühls bei. Hier einige Beispiele: Kleidung (Welche Socken, Pullover, Schuhe usw...), Spielzeug (Womit willst du heute spielen?), Beschäftigung (Was willst Du machen? Wo willst Du hingehen?), Spaziergang (Auswahl des Ziels, der besonderen Tätigkeiten während des Spaziergangs), Essen (Butterbrot oder Marmeladenbrot? Milchbrei oder Wurstbrot?), Schlafenszeit (Willst du jetzt schlafen? Willst du noch aufbleiben?).

Sicher möchte Ihr Kind gelegentlich Dinge tun, die Sie absolut nicht sympathisch finden: Es steuert beim Spaziergang zielstrebig auf eine Pfütze zu, um sich hineinzusetzen und im Wasser zu planschen, es will unbedingt einen Gegenstand behalten, den Sie brauchen, es trödelt herum, wenn Sie gerade in großer Eile sind... Machen Sie es sich zur Regel, nicht alle Ihre Wünsche gegenüber Ihrem Kind durchzusetzen. Wägen Sie ab, ob durch das Vorhaben Ihres Kindes seine Sicherheit oder seine Gesund heit gefährdet sind. 1st das nicht der Fall, seien Sie ruhig manchmal «großzügig». Das heißt, verzichten Sie hin und wieder auf Ihre eigenen Wünsche, und richten Sie sich nach Ihrem Kind. Aufräumen z. B. ist zu unwichtig, als daß es deswegen ein Spiel vorzeitig unterbrechen müßte. Sagen Sie in diesem Fall etwa: «Eigentlich wollte ich ja jetzt zusammen mit dir aufräumen. Aber du spielst gerade so schön, daß ich dich nicht stören möchte. Dann machen wir eben morgen früh zusammen Ordnung, ja?» Ihr Kind erfährt so, daß Sie manchmal nachgeben, und lernt, selbst nachzugeben. Indem es spürt, daß Sie einen Verzicht leisten, wird ihm deutlicher bewußt, daß auf seine Wünsche und seine Persönlichkeit Rücksicht genommen wird. Auch mit dieser Erfahrung wird sein Selbstwertgefühl stark angeregt.

Kreativität und Flexibilität gehören zu den wichtigsten Eigenschaften, die Ihr Kind beibehalten bzw. erwerben soll. Doch vergessen Sie darüber nicht, ihm einige feste Gewohnheiten zu geben: das tägliche Waschen, die Körperpflege und Lernspiele, die täglich bis zu 60 Minuten in Anspruch nehmen (verteilt auf vier bis sechs «Portionen»), die gemeinsamen Mahlzeiten usw. Mit diesen Gewohnheiten engen Sie Ihr Kind zwar ein, aber Sie erreichen dadurch, daß sie ihm zur Selbstverständlichkeit werden und nicht zu einer mühsamen Pflicht.

So steigern Sie die Erlebnisfähigkeit: In den ersten Jahren saugt Ihr Kind jede positive Zuwendung in sich auf und bildet daraus ein nachhaltiges Polster für Zeiten, in denen weder Sie noch andere Menschen sich so intensiv mit ihm befassen können. Lassen Sie Ihr Kind deshalb viele angenehme Erlebnisse und positive Gefühle erfahren. Verhindern Sie möglichst, daß Ihr Kind schreit oder weint, weil ihm ein dringender Wunsch nicht erfüllt wird (dazu gehört auch der Wunsch nach Ihrer Anwesenheit); Ihr Kind längere Zeit ohne Sie auskommen muß (weil Sie allein Urlaub machen oder aus einem anderen Grund verreisen); Sie selbst zuwenig Zweit haben, sich auf Ihr Kind einzustellen und ihm alle Möglichkeiten zu bieten, seine Fähigkeiten zu entwickeln.

Ihr Kind erlernt Gefühle und Gefühlsäußerungen auch direkt von Ihnen. Es beobachtet, wie Sie sich verhalten und wie sich Ihre Mimik, Ihre Gestik, Ihre Stimme bei bestimmten Ereignissen verändern. Wie verhalten Sie sich z. B., wenn eine Tür mit lautem Knall vom Zugwind zugeschlagen wird? Reagieren Sie ängstlich? Springen Sie erschrocken hoch? Ob Sie heftig oder «gemäßigt» reagieren, hängt natürlich ganz von Ihrem eigenen Temperament ab. Es wäre falsch, wenn Sie sich aus «Erziehungsgründen» ein ganz neues Verhalten aufzwingen wollten. Ihr Kind würde genau spüren, daß Ihr Empfinden mit Ihrer Reaktion nicht übereinstimmt. Denken Sie immer daran, daß das Gefühl Ihrem Kind später hilft, sich in schwierigen Situationen besser zurechtzufinden. Es könnte es später schwer haben, wenn es durch Vater oder Mutter daran gewöhnt worden ist, «daß man keine Gefühle zeigt». Fallen Sie aber auch nicht in das andere Extrem, nur noch gefühlsbetont zu handeln oder Ihre Gefühle künstlich hochzuspielen. Das würde Ihr Kind skeptisch gegenüber Gefühlen machen. Es wüßte nicht, wieweit es den Gefühlsäußerungen anderer Menschen trauen darf, und würde dadurch verunsichert.

Das Gefühlsleben Ihres Kindes können Sie durchaus fördern und auch differenzieren, auch mit Worten. Wichtiger ist aber liebevolles Eingehen auf seine Wünsche, z. B. nach Zärtlichkeiten. Aber Ihre Gefühlsäußerungen müssen dabei unbedingt «echt» sein und mit Ihrem Tun übereinstimmen. Folgende Situationen ermöglichen es Ihrem Kind, seine Gefühle zu differenzieren: alle Spiele und Lernaktivitäten ((durch Lob, Bestätigung Ermutigung), Gymnastik und Bewegungen, Baden und Wasserplanschen, Spaziergänge, bei denen Ihr Kind auf etwas Interessantes hingewiesen wird (Tiere und Pflanzen in Wald und Feld, andere Kinder, ein Markt, Warenhäuser, Baustellen usw.), neue und ungewohnte Situationen (zünden Sie einmal bei Dunkelheit Kerzen an, und lassen Sie Ihr Kind dabei für kurze Zeit leise Musik hören; gehen Sie mit ihm in den Tierpark oder in einen Kinderzirkus bis zur Pause; unternehmen Sie am Abend einen Spaziergang durch beleuchtete Straßen mit Lichtreklamen usw.).

Folgende Einflüsse behindern die freie Entfaltung der Gefühlsäußerungen und sollten daher verhindert werden: Beharren auf Ruhe (weil andere dadurch gestört werden könnten), Einschränken der Bewegungsfreiheit des Kindes (Laufstall, bei Spazierfahrten immer angegurtet, Spielen nur in einem Raum erlaubt, enge und zu warme Kleidung), ständiges Betonen von Ordnung und Sauberkeit (Spiel und Initiative der Kinder werden dadurch erheblich beeinträchtigt), Liebesentzug (weil die Bezugspersonen dem Kind überhaupt nicht oder viel zu selten zur Verfügung stehen), Eßzwang («alles aufessen», ruhig am Tisch sitzen, solange die anderen essen), verfrühte Sauberkeitserziehung, falsche Sauberkeitserziehung und fehlender Körperkontakt.

Ihr Kind ist sehr Wissensdurstig, es ist wichtig, diesen "Hunger" entsprechend zu stillen: Nehmen Sie sich einmal im Monat die Zeit, mit Ihrem Kind all seine Spielsachen anzusehen und ein wenig über sie zu sprechen: Stellen Sie die Spielsachen so nebeneinander auf, daß Sie eine kleine Geschichte erzählen können, in der alle Dinge der Reihe nach vorkommen. Legen Sie nacheinander jeden Gegenstand weg, oder geben Sie ihn Ihrem Kind in die Hand. (Sie können die Geschichte auch richtig durchspielen.) Nennen Sie jeweils den Namen und eine besondere Eigenschaft. Ein Beispiel: «Der dicke Brummbär geht auf den Spielplatz. Er nimmt den kleinen roten Ball und spielt damit Fußball. Da kommt der Hund Struppi herbeigelaufen und wackelt mit den Ohren...» Helfen Sie Ihrem Kind, neue Spielmöglich- keiten an einem vertrauten Gegenstand zu entdecken, die es dann auch auf andere Dinge übertragen kann. Wenn Sie beispielsweise einmal ein Huhn gackern lassen, läßt Ihr Kind vielleicht später den Hund bellen! Zeigen Sie Ihrem Kind, wie sich Tiere und Puppen unterhalten können. Nehmen Sie dazu in jede Hand ein Tier, und bewegen Sie . jeweils das, welches gerade spricht. Diese kleinen Unterhaltungen sollten aus Wörtern und Sätzen bestehen, die Ihr Kind schon kennt und versteht.

Ihr Kind sollte in diesem Jahr die ganze Wohnung sehr genau kennenlernen. Veranstalten Sie ab und zu Erkundungsgänge. Von jedem Zimmer kehren Sie wieder an die Stelle im Flur zurück, von der aus Sie die Reise begonnen haben. Gehen Sie in den Zimmern gemeinsam an den Wänden entlang, und betrachten Sie zusammen, was man von den einzelnen Ecken aus sehen kann. So erhält Ihr Kind ein Gefühl für die unterschiedlichen Blickwinkel. Nehmen Sie es auch einmal mit in den Keller oder auf den Dachboden. Nach vier bis fünf Rundgängen kennt sich Ihr Kind dann schon gut in seinem Zuhause aus. Es fühlt sich nun in einem größeren Bereich sicher und bekommt ein gutes Bezugssystem, von dem aus es seine Ausflüge und Spaziergänge starten kann. Nach einiger Zeit weiß Ihr Kind dann auch genau, was Sie mit der Ankündigung meinen: «Wir gehen jetzt in die Küche!» Und wenn Sie noch dazu sagen, was dort geschehen soll («Du bekommst dort ein Brot mit Marmelade»), läuft es sicher voraus und «zeigt» Ihnen den Weg.

In allen Räumen der Wohnung sollte sich Ihr Kind gut auskennen. Was Sie dort mit ihm ansehen, ist im folgenden beispielhaft beschrieben: Wohnzimmer: Erklären und zeigen Sie die Funktion der einzelnen Einrichtungsgegenstände. Lassen Sie es aus dem Fenster schauen. Machen Sie es auf Gefahrenquellen aufmerksam. Führen Sie nur Vorgänge vor, die es nachmachen darf. Badezimmer: Ihr Kind lernt Waschbecken, Badewanne, Toilette, Dusche, Handtücher, Kleiderhaken, die Bedienung der Hähne kennen. Es macht möglichst oft alle Handlungen mit und gewöhnt sich dabei an selbständiges Verhalten und an den Umgang mit dem eigenen Körper. Zeigen Sie ihm auch. wie Sie die Toilette gebrauchen und wozu die einzelnen Gegenstände gebraucht werden. Das führt Ihr Kind zugleich einen Schritt weiter bei der Sauberkeitserziehung (ab 18. Monat). Abstellraum: Diese Kammer ist natürlich eine herrliche Fundgrube für Ihr Kind. Es möchte sich mit allen Gegenständen beschäf tigen und mit ihnen spielen. Räumen Sie daher die gefährlichen Sachen (Reinigungsmittel, Säuren, Sprays, Schuhputzmittel usw.) in die obersten Regale. Nehmen Sie bitte in Kauf, daß Ihr Kind die Abstellkammer einige Male auf den Kopf stellt: danach können Sie ihm auch zeigen, wie man sie wieder aufräumt.

Es ist eine Ihrer Hauptaufgaben als Eltern, Ihrem Kind soziales Verhalten beizubringen. Nehmen Sie Ihr Kind zweibis dreimal pro Woche zum Einkaufen mit. Es gibt immer wieder etwas Neues zu sehen, zu hören oder auch zu riechen. Man begegnet fremden Menschen, und das ermöglicht, das Verhalten zwischen diesen zu beobachten und davon zu lernen. Suchen Sie bewußt Situationen auf, in denen Ihr Kind wichtige Erfahrungen machen kann: Wie man freundlich begrüßt, wie man verabschiedet wird, wie man Verkäufer nach bestimmten Waren fragt, wie man sich zu anderen Menschen verhält und wie diese wiederum auf das eigene Verhalten reagieren (wenn Sie jemanden freundlich ansprechen, wird dieser im allgemeinen entsprechend antworten).

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