Ratgeber Kleinkinder und Kids: Lesen lernen, Erziehung ab 8 Moante, 12 Monate von Tanja Ehrhardt
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Trotzkopf: Erziehung, Erziehungstipps für Eltern und Lesen lernen




Tipps: Kinder ab 8. Monate

Meilensteine zwischen dem 8. und 12. Monat

ab dem 8. Monat
- Selbständig Kekse und kleine Happenessen
- nach fallengelassenen Objekten schauen
- über kurze Strecken krabbeln
- versuchen, sich zum Stehen hochzuziehen
- die Finger um Gegenstände zu greifen benutzen
- mit dem Zeigefinger auf Sachen zeigen
ab dem 9 Monat
- auf Absätze oder Stufen krabbeln
-antworten bei Ansprache
- "Mammi" und "Pappi" sagen
- mit Hilfe einige Schritte laufen

Ab dem 10 Monat
- mit wenig Hilfe alleine stehen können
-Aus einer stehenden Position heraus hinsetzen
-Sich selber in eine sitzende Position hochziehen
-Nach Sachen suchen, die vor den eigenen Augen versteckt wurden
-Auf Wiedersehen“ winken
-Geräusche und Gesten nachmachen

Ab dem 11 Monat
- lange Sätze brabbeln
- Arme und Beine von sich strecken, um Ihnen beim anziehen zu helfen
- alleine aus einer Tasse trinken können
- selbständig laufen, wobei es sich an Möbeln festhält
- einzelne Schritte auch ohne festhalten laufen können


Die Sinne schärfen

Spielen Sie zwei- bis dreimal täglich das Ich-gebe-Dir-Spiel: Bieten Sie Ihrem Kind nacheinander vier verschiedene Sachen an. Wenn es einen Gegenstand genommen hat, geben Sie ihm den nächsten. So lernt es neue Dinge in seinem Gesichtskreis zu beachten und anderes Spielzeug loszulassen. Aber drängen Sie ihm nichts auf, wenn es sich mit einer Sache gerade intensiv beschäftigen möchte.

Eine Übung, die Sehen und Denken trainiert: Versteckspielen! Verstecken Sie vor den Augen Ihres Kindes ein Spielzeug, das es gern mag. Sicher krabbelt es gleich los und sucht danach. So lernt es, daß Dinge noch existieren, auch wenn man sie im Moment nicht sieht.

Begleiten Sie Ihr Kind manchmal, wenn es durch die Wohnung krabbelt, und sprechen Sie dabei mit ihm über die Gegenstände, die seine besondere Neugier erwecken.
Zeigen Sie Ihrem Kind, wie ein Ball oder eine Kugel durch das Zimmer rollt, und daß man den Ball auch über schräge Ebenen rollen lassen kann!

Neben dem gewohnten Brei sollte Ihr Kind jetzt auch Mahlzeiten bekommen, bei denen es kauen und beißen muß. Dabei werden die Kaumuskeln und alle anderen Muskelpartien im Mundraum trainiert, und das fördert zugleich die bewußte Steuerung der Muskeln, die beim Erlernen der Sprache nötig sind.

Wenn Sie Ihrem Kind etwas besonders Gutes tun wollen, schreiben Sie ein paar Geschichten auf, die Sie ihm dann wiederholt vorlesen können. Mit welchem Inhalt? Erzählen Sie doch einfach etwas von einem Hund oder einem Vogel, von irgend etwas, das Sie beobachtet haben und das vielleicht auch Ihr Kind schon gesehen hat. Mehr als ca. zehn Zeilen braucht die Geschichte nicht zu haben. Vielleicht können Sie auch noch etwas dazu malen. Weder die künstlerische Qualität der Geschichte noch die der Zeichnung sind ausschlaggebend: es geht allein darum, daß Ihr Kind bestimmte Wortkombinationen immer wieder hört, denn das erleichtert das Sprechenlernen ganz erheblich. Bilderbücher mit kurzen Texten sind genauso geeignet.

Nehmen Sie Ihr Kind auf den Schoß und legen Sie z.B. einen Keks, einen Bauklotz und seine Rassel auf den Tisch. Es wählt dann selbst aus, was es haben will. Und mit dem Keks lernt es nebenbei auch noch selbständig zu essen. Statt Keksen sollten Sie ihm ab und zu auch ein Stück trockenes Brot, ein hartes Brötchen oder auch eine Brezel geben, auf dem oder der es herumbeißen kann.

Die folgenden Dinge könnten beispielsweise in den nächsten vier Monaten für Ihr Kind zum entdecken anstehen. Versuchen Sie doch,einen großen und einen kleinen Ball, bunte Bauklötze, eine Becherpyramide, Holzringe von einem Scheibenmännchen, seine (bunten) Lieblingskleidungsstücke, Teller, Tassen, Löffel, Töpfe, Holzbrettchen, eine Teigrolle, Bücher, Papiere in verschiedenen Farben, Karton in verschiedenen Formen, Größen und Stärken, Brotscheiben, Bananen und Zwieback in die Spiele der nächsten vier Monaten einzubeziehen. Wenn es möglichst viele verschiedene Dinge kennenlernt, können sich sein Tastsinn, sein Wahrnehmungsvermögen und sein Gefühl für Gewichte immer besser entwickeln. Ihr Kind spielt gern mit allen Dingen: das gefährliche Krokodil ist hier gezähmt

Spielen

Es ist wichtig, daß sich ein Kind in der ganzen Wohnung frei bewegen kann und viele Möglichkeiten zum Krabbeln hat. Denn dabei lernt es die Bewegungen der Arme. der Beine und die Kopfhaltung zu koordinieren und sein Gleichgewicht zu halten (dabei übt es auch. mit seinen Händen und Fingern geschickt umzugehen!). Locken Sie Ihr Kind mehrmals am Tag zu sich, mit einem Spielzeug oder auch dadurch, daß Sie mit Klötzen bauen, auf einen Topf trommeln. Wenn Ihr Kind bei Ihnen ankommt, wird es mit dem Spielzeug belohnt oder darf auch trommeln. Ein «Laufstall» im Sinne seines Wortes ist eher abzulehnen, weil er das Kind beim Krabbeln behindert und auch seine sonstige Entwicklung eher hemmt.
Geben Sie Ihrem Kind jetzt lruhig mal den Löffel zum Selberessen in die Hand auch wenn diese ersten Versuche etwas mühsam für Sie sind. Der Löffel ist ein «schwieriges» Werkzeug, das Ihr Kind erst richtig zu verwenden lernen muß. Während es übt, den Löffel waagerecht zu halten und zum Mund zu führen, macht es einen wesentlichen Fortschritt in seiner Entwicklung.

 

Aus dem geschickten Krabbeln, also dem abwechselnden Voransetzen von Händen (Armen) und Knien, entwickelt sich das aufrechte Stehen am leichtesten. Das Kind bewegt sich auf Stühle. Tische, Regale und Schränke zu und zieht sich an allem Greifbaren hoch, wobei Beine und Füße abwechselnd die größte Arbeit vollbringen nicht das Hochziehen mit den Armen ist entscheidend! Eine Zwischenphase vor dem Stehen ist noch der Halbkniestand. Wichtig beim Erlernen all dieser Dinge ist nicht das Erreichen eines oder mehrerer Ziele in einem bestimmten Monat, sondern die Aktivierung des Kindes, das Fördern seiner Selbständigkeit, das eigene Erproben der Bewegungsabläufe. die selbständige Leistung bei möglichst geringer aktiv-manueller Unterstützung durch den Erwachsenen (allenfalls Anerkennen und Loben, also Unterstützung durch Worte ist sinnvoll). Stützende Maßnahmen, unter die Arme greifen beim Stehen, an den Händen zum Stehen hochziehen sind eher entwicklungshemmende Verhaltensweisen zu eifriger oder zu ehrgeiziger Erwachsener.

Täglich gewinnt Ihr Kind jetzt neue Sicherheit beim Krabbeln. Es wird nun schon versuchen, einige niedrige Treppenstufen zu erklettern. Bleiben Sie hinter ihm, damit Sie es bei einem Ausrutscher festhalten können. Je weniger Mißerfolge Ihr Kind bei den ersten Versuchen erlebt, desto mehr Spaß hat es bei diesen Lernspielen, und desto größere Fortschritte macht es.

Legen Sie jeden Tag ein paar Dinge, die Ihr Kind gern mag, nach und nach immer höher hinauf: auf ein Schemelchen, eine 30 cm hohe Kartonschachtel, auf einen Stuhl, einen Tisch. Und dann machen Sie Ihr Kind auf die Spielsachen aufmerksam. Natürlich versucht es nun, sie zu holen. Beim Tisch ist das etwas schwierig helfen Sie mit Ihrer Hand stützend nach oder mit einem Besenstiel, an dem es sich gut hochhangeln kann (dabei müssen Sie ihn natürlich gut
festhalten), damit der Erfolg auf jeden Fall garantiert ist!

Wenn Ihr Kind schon gut stehen kann, können Sie für eine Griffleiste in der Höhe seiner Armbeuge sorgen es wird sich daran festhalten und mit dem Oberkörper parallel zur Griffleiste oder Stange «wandern». Dabei wird zugleich das seitliche Abrollen der Füße geübt, und das Gleichgewichthalten erfährt eine Unterstützung. Nichts spricht dagegen, daß Sie das Sich-seitwärts-Weiterbewegen durch gutes Zureden, durch das Angebot eines Spielzeugs am Ende der Griffleiste oder ähnliches unterstützen. Dann folgen die ersten, tastenden Schritte, das freie Gehen, meist ein bis drei Wochen nach dem ersten Geburtstag.

Kind und Umwelt


Inzwischen hat Ihr Kind schon einen ganz hübschen Erfahrungsschatz. Bei vielen Dingen weiß es bereits, wozu sie da sind und was man mit ihnen macht. Wenn Sie die Dinge nun auf eine etwas ungewöhnliche Weise verwenden, regen Sie damit seine Kreativität an und erreichen, daß es geistig flexibel wird und auch umdenken kann. Es soll z.B. begreifen: Ein Ball kann nicht nur rollen, sondern man kann ihn auch springen oder auf derselben Stelle rotieren lassen. Eine Rassel ist zugleich ein lustiger Armreif, man kann sie auch prima mit einer Schnur heranziehen oder Sachen durch den Ring stecken. Einen Hut kann man nicht nur auf den Kopf setzen, man kann auch etwas hineinlegen oder damit auffangen.

Und dieses Spiel können Sie mit Ihrer Einrichtung machen: Verändern Sie jede Woche einmal etwas im Kinderzimmer oder in der Spielecke. Legen Sie die Stühle mal der Länge nach hin, so daß der Raum in zwei Hälften geteilt wird, und lassen Sie in der Mitte einen Spalt frei zum Durchgehen und Krabbeln. Oder schieben Sie den Tisch in eine Ecke, und bauen Sie darunter eine kleine Spielhöhle ... So bekommen die Möbel, die Ihrem Kind ja inzwischen sehr vertraut sind, eine ganz neue Bedeutung. Es lernt neue Eigenschaften an ihnen kennen und benützt den Raum großzügiger. Diese Anregungen fördern seine Fähigkeit, sich auf Neues einzustellen und neue Zusammenhänge zu sehen.

Legen Sie mit Bauklötzen eine Straße. und schieben Sie ein Auto daran entlang. Am nächsten Tag machen Sie mit den Klötzen ein großes L, dann ein großes E. Das Alphabet ist eine prima Vorlage, um Ihr Kind mit immer neuen Formen und Anordnungen vertraut zu machen, die es allmählich in seine Spiele einbezieht. Bauen Sie auch mit wenigen Klötzen in die Höhe. Ihr Vorbauen ist übrigens nur als Anregung gedacht: die meisten Erfahrungen mit Bauklötzen soll Ihr Kind beim Spielen selbst sammeln. Nehmen Sie sich aber öfter die Zeit, sich still danebenzusetzen und ihm ruhig zuzuschauen, dann spielt es länger und intensiver damit.

Beim Einfüllen oder Rauskramen von Sachen aus verschieden großen Kartons, Kisten und Koffern lernt Ihr Kind, Größen abzuschätzen und Dinge so einzupacken, daß viel in den Behälter hineingeht.

Wenn Ihr Kind während der Monate Juni bis September geboren ist, kann es mit elf Monaten viel im Freien spielen. Dort findet es im Sandkasten, bei einem Planschbecken im Garten oder auch auf der Wiese und im Wald vielfältige Anregungen für das Wahrnehmen, Tasten, Denken und Empfinden zugleich. Es entdeckt dort faszinierende kleine Tiere: Würmer, Marienkäfer, Schmetterlinge und vielleicht auch eine flinke Eidechse. Im (Bade-)Wasser gibt es viel zu entdecken und zu erforschen

Jeden Tag braucht Ihr Kind einige neue Anregungen, die ihm einen Riesenspaß bereiten. Machen Sie es bei Spazierfahrten auf Hunde aufmerksam, die durch den Park toben, auf schleichende Katzen, zwitschernde Vögel, bunte Blumen, spielende Kinder. Auch wird es vor Vergnügen jauchzen, wenn Sie mit dem Gartenschlauch einen Springbrunnen machen oder im Sommer ein Planschbecken mit warmen Wasser im Freien aufstellen und einige Plastiktiere schwimmen lassen.

So bauen Sie einen Kontakt zum Kind auf: Sicher spielt Ihr Kind jetzt häufig in Anwesenheit beider Eltern. Dabei bekommt es bereits intensiv mit, in welcher Weise Sie sich unterhalten und miteinander sprechen. Und dieses Vorbild nimmt es in seinen Erfahrungsschatz auf. Achten Sie also darauf, daß die Art, in der Sie sich unterhalten (oder auch auseinandersetzen), zugleich für Ihr Kind ein günstiges Lernmodell ist. Laute oder «gefährlich» klingende Worte würde es als bedrohlich für sich selbst empfinden, und damit hat es ja auch recht. Spannungen zwischen Ihnen als Erwachsene können das Familienklima empfindlich stören. Ungünstig sind intolerant und aggressiv geführte Diskussionen aber auch deswegen für Ihr Kind, weil es Sie beide liebt es nimmt sozusagen den Streit in sich auf, ohne ihn verarbeiten zu können.

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