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Thema: Monitorüberwachung, Bradikardien
Frage an die Kinderklinik Buch:
Sehr geehrte Damen und Herren
Gerne möchte ich ein paar Fragen bezüglich Bradikardien und Dauer der Monitorüberwachung an Sie richten. Doch zuvor möchte ich die Ereignisse, welche stattgefunden haben schildern.
Mein inzwischen bald 14 Monate alter Sohn ( Geboren am 9. April2000) hatte, als er 2 ½ Monate alt war (etwa 10 Tage nach der ersten Impfung) ein ALTE. Diverse Abklärungen während einem 5 tägigen Spitalaufenthalt haben ausser einem Reflux keine Befunde ergeben. Deshalb habe ich einen Überwachungsmonitor installiert. Zum Glück gab es während der nachfolgenden Zeit keine Alarme und wir wollten die Monitor-Überwachung mitte März beenden.
Im Anschluss an einen Virus Infekt (Grippe) –anfangs März– war sein Puls die ganze Nacht hindurch sehr tief (immer etwa um 80) und fiel immer wieder unter die programmierte Frequenz von 70, sodass der Monitor etwa alle 30 – 60 Minuten einen Alarm auslöste. Gewöhnlich ist die Herzfrequenz meines Sohnes während dem Schlaf zwischen 85 und 110, sehr selten unter 80.
Mein Hausarzt überwies uns dann wieder ins Kinderspital wo erneut die verschiedensten Abklärungen wie EKG, OCR, Tomographie des Hirns, Blutanalysen gemacht wurden. Eine Ursache für die Bradikardien wurde nicht gefunden.
Auch ein Herz-Ultraschall wurde gemacht, bei dem festgestellt wurde, dass der Herzfehler (VSD) meines Sohnes wohl noch sichtbar ist aber kein Blut mehr durch die Herzwand fliesst.
Bei der nächtlichen Überwachung fiel der Puls offensichtlich ein oder zweimal kurz unter 70.
So konnten wir nach 2 Nächten wieder nach Hause gehen mit der Empfehlung den Monitor noch eine Weile zu behalten. Aber wie lange konnte mir niemand konkret sagen.
Während dieses Spital-Aufenthaltes habe ich auch festgestellt, dass die Meinungen der Ärzte über diese Bradikardien sehr unterschiedlich sind. Der Kinder-Kardiologe ist der Meinung dass eine solch tiefe Herzfrequenz ruhig einmal vorkommen könne und dass sie wahrscheinlich eine Folge des Virusinfektes sind. So quasi, dass mein Sohn um sich von der Krankheit zu erholen extrem tief geschlafen habe. Andere Ärzte wiederum waren der Meinung, dass es gut wäre, wenn man einen Grund wüsste und eigentlich wäre vorgesehen gewesen die Aufzeichnungen des Monitors auszuwerten. Leider war dies nicht möglich, da sich der Speicher des Monitors während des Transportes geleert hatte.
Für mich stellt sich nun die Frage, wie gefährlich waren diese Herzfrequenzabfälle, resp. könnte ein solch tiefer Schlaf auch gefährlich sein und was hätte geschehen können, wenn der Monitor keinen Alarm ausgelöst hätte.
Bei der Ein-Jahres-Kontrolle habe ich auch den Kinderarzt danach gefragt, doch er gab mir lediglich zur Antwort, dass man das ganze offen lassen müsse.
Vielleicht können Sie als Fachleute mir die folgenden Fragen beantworten.
 Wie bedrohlich schätzen sie die damaligen Herzfrequenzabfälle meines Sohnes ein?
 Wie lange würden Sie die Monitorüberwachung noch weiterführen?
 Kann sich nach einer weiteren Krankheit ein solches Ereignis wiederholen und wie gefählich währen diese Bradikardien dann?
Wahrscheinlich halten Sie mich für eine überbesorgte Mutter. Doch ich bin momentan etwas übersensibilisiert und ich wäre sehr froh, wenn ich auf diese Fragen eine Antwort hätte.
Ich danke Ihnen jetzt schon vielmals und grüsse Sie freundlich.
Heidi Schmid
Antwort der Experten:
Sehr geehrte Frau S.,
gern möchte ich versuchen Ihre Anfrage zu beantworten. Leider ist es aus der Ferne sehr schwierig ohne Ihr Kind und die im Laufe der Zeit erhobenen Befunde genau zu kennen, eine korrekte Antwort zu geben.
Nach Ihrer Schilderung war Ihr Kind ja in der Vergangenheit in sehr kompetenter kinderärztlicher Betreuung , sowohl was die Diagnostik bei dem ALTE als auch das jetzige Ereignis betrifft.
Aus unserem Abstand zum Geschehenen und Berichteten haben wir die Vermutung, daß die unterschiedlichen Auskünfte , die SIe erhalten haben mit einer gewissen ( verständlichen ) Unsicherheit im Zusammenhang mit dem ALTE in Beziehung stehen. Eltern möchten ja immer gerne eine hundertprozentige Sicherheit haben, die es schon im " Normalfalle " nicht gibt und erst Recht nicht nach dem Auftreten einer letztlich nicht exakt abzuklärenden lebensbedrohlichen Situation.
Wenn man völlig rational an das Geschilderte herangeht, kann man eigentlich auch aus unserer Sicht den Ausführungen Ihres Kinderkardiologen folgen. Das Risikoalter für das Auftreten eines plötzlichen Kindstodes ( SIDS ) ist inzwischen bei Ihremn Kind überschritten, so daß sich hier keine objektive Notwendigkeit mehr für eine häusliche apparative Überwachung ergibt und diese war ja sicherlich nur aus diesem Grunde angeördnet worden.
Andererseits werden Sie ja selbst im Laufe der fast einjährigen Überwachung Ihres Kindes die Erfahrung gemacht haben, daß die Grenzwerte für eine Alarmierung bei niedriger Herzfrequenz ( Bradykardie ) immer niedriger gestellt werden mußten. Dies hängt damit zusammen, daß die normale Herzfrequenz mit zunehmendem Lebensalter abnimmt und gerade im Tiefschlaf deutlich niedrigere Werte auftreten dürfen, ohne daß hierbei eine Gefährdung es Kindes auftritt.
Hierfür gibt es Normalwerte, die an einer großen Patientenzahl bestimmt wurden ( allerdings gibt es immer individuelle Schwankungsbreiten ) . Für das Alter Ihres Kindes liegen die Normalwerte bezogen auf die Herzfrequenz innerhalb nachfolgender tolerabler Grenzen : Im Wachzustand : 80 - 150 Schläge / Minute ; im Schlafzustand : 70 - 120 Schläge / Minute und bei Anstrengung und Fieber unter 200 Schläge / Minute.
Unsere Erfahrungen bei Untersuchungen von Risikokindern in unserem Schlaflabor ( mehr als 6.000 Untersuchungen seit 1993 )haben aber gezeigt, daß es nach der Vollendung des ersten Lebensjahres durchaus vorkommen kann, daß die Herzfrequenz im Tiefschlaf für kurze Zeit auch bis zu Werten auf 60 Schläge / Minute abfallen kann, ohne daß hierbei ein Abfall der Sauerstoffsättigung im Blut oder eine sonstige Gefährdung des Kindes auftritt. Dies darf allerdings nur von kurzer Dauer sein und muß sich von selbst beheben ( spontaner Wiederanstieg ).
Einen hundertprozentigen Ratschlag können wir Ihnen also auch nicht geben, ich kann Ihnen nur schildern, wie wir in einem solchen Falle vorgehen würden. Nachdem wir in ähnlicherweise, wie es jetzt im März bei Ihrem Kind geschehen ist eine Diagnostik durchgeführt hätten, die wie bei Ihnen einen Normalbefund ergab, würden wir als anschließende Untersuchung noch eine Polysomnographie ( Schlaflaboruntersuchung ) durchführen. Sollte auch diese einen altersphysiologischen Befund aufweisen, d.h. insbesondere keine langen Atempausen und / oder schweren Bradykardien mit deutlichen Abfällen der Blutsauerstoffsättigung, würden wir den Eltern die sofortige Beendigung der häuslichen Überwachung anraten.
Nicht immer sind die Eltern ( aus unserer Sicht psychologisch nachvollziehbar ) mit dieser Entscheidung einverstanden, wir erklären ihnen dennoch, daß wir für eine weitere Monitorüberwachung keine medizinische Notwendigkeit mehr erkennen können.
Ich hoffe, diese Ausführungen haben Ihnen ein Wenig weitergeholfen und Sie nicht noch mehr verunsichert.
Bitte beachten Sie im Zusammenhang mit unserer E-Mail - Antwort wichtige rechtliche Hinweise zur Online - Sprechstunde, die Sie im folgenden Link öffnen können : http://www.kinderklinik-buch.de/Eltern/Wichtige_Hinweise_zur_Online_Sprechstunde.html
mit freundlichen Grüßen aus Berlin
Dr.med. Andreas Höck
Facharzt für Kinderheilkunde/ Neonatologie
Bitte denkt daran: Wir ersetzen an dieser Stelle auf keinen Fall einen Arzt !!! Die
Sprechstunde kann ein Anhalt für Euch sein, Ihr solltet aber bei dem geringsten Verdacht,
dass etwas nicht in Ordnung ist sofort mit dem Kind zum Arzt gehen!!!
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