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Thema: Waterhouse-Friedricksen-Syndrom



Frage an die Kinderklinik Buch:



Ich suche dringend Informationen zu der Krankheit Waterhouse- Friedricksen- Syndrom. Soweit ich weiß leigt dies an einer Menigokoken Sepsis. nur leider kann ich damit nicht anfangen.Es wäre sehr nett, wenn sie mir dazu weiter helfen könnten.
Freundliche Grüße

Antwort der Experten:

Sehr geehrte Frau A.,

das Waterhouse-Friderichsen-Syndrom (WFS) ist eine ganz foudroyant ( schnell , explosionsartig ) verlaufende und gefürchtete Infektionskrankheit. Es wird durch Bakterien ausgelöst. Diese Bakterien heißen Meningokokken. In Deutschland erkranken jährlich etwa 40 Personen an dieser Form der Meiningokokkenerkrankung, wobei jeder zweite Erkrankte daran stirbt. Insofern hatte das Ihnen bekannte Kind einfach Glück, daß es überleben konnte.

Die Bakterien ( Meningokokken ) finden sich ausschließlich nur beim Menschen. Etwa jeder 20. Mensch beherbergt sie in seinem Nasen-Rachen-Raum. Warum es dann bei einigen zu einer Erkrankung kommt, weiß man bis heute nicht.

Die Erkrankungen - auch die gefürchtete Form, das WFS, beginnen aus voller Gesundheit heraus. Das heißt, jeder auch noch so gesunde Mensch kann daran erkranken. Die häufigste Erkrankung durch diese Bakterien sind Hirnhautentzündungen. Rund 700 Erkrankte werden jährlich in Deutschland bekannt. Alle Altersgruppen können betroffen werden, wobei die Altersgruppen 0-4 Jahre und 15-19 Jahre am häufigsten befallen werden.

Bei dem glücklicherweise relativ seltenen Krankheitsbild des WFS gelangen die Bakterien aus dem Nasen-Rachen-Raum über Blut- und Lymphgefäße in den Körper und „überschwemmen“ ihn. Doch das allein reicht noch nicht für dieses schwere Krankheitsbild. Es müssen bestimmte Bakterien sein. Nämlich solche, die viel „Gifte“ (Toxine) produzieren. Das sieht man diesen Bakterien nicht an. Alle Meningokokken sehen unter dem Mikroskop gleich aus. Aber sie können sich in ihrem Charakter erheblich voneinander unterscheiden. Manche sind harmlos, andere wiederum nicht. Deshalb werden sie auch von den Bakteriologen in zahlreiche Gruppen und Typen unterteilt. Entscheidend für die Entstehung eines WFS sind die Anzahl der in den Körper eindringenden Bakterien und deren Giftproduktion dabei. Folgende Krankheitszeichen sind typischerweise zu beachten.

Beispiel: Ein 3jähriges Kind geht morgens gesund in die Kita. Mittags plötzlich hohes Fieber über 39 Grad Celsius. Ferner Mattigkeit, Apathie. Nach zwei Stunden sind an der Haut kleine rote Flecken (erst Punktgröße, später größere Flächen) zu beobachten. Das sind Hautblutungen, die bei jedem Erkrankten nachweisbar sind ! Nach weiteren zwei Stunden ist das Kind bewußtlos, Puls und Blutdruck werden schwächer. Nach weiteren vier bis 10 Stunden tritt der Tod ein. Kommen diese Patienten in das Krankenhaus, tun wir alles machbar mögliche. Die verursachenden Bakterien können wir problemlos mit Antibiotika abtöten. Was wir nicht können, ist die Elimination der Gifte (Toxine) aus dem Körper, die durch die Bakterien bereits produziert wurden. Und diese Gifte sind die eigentlichen Verursacher der immer vorliegenden schweren Gerinnungsstörung und der anderen nachfolgenden Kranheitszeichen mit Organversagen, auch wenn alle Bakterien längst abgetötet worden sind. Es gibt nirgends in der Welt ein hilfreiches „Gegengift“ gegen diese seltenen durch Bakterien bedingte Erkrankungen wie z.B. bei Schlangengiften etc., was eingesetzt werden könnte.

Erst wenn Antitoxin zur Verfügung steht, kann dieser Krankheit die schlechte Prognose entzogen werden.

Kann man diesen Erkrankungen mit vorbeugenden Maßnahmen begegnen?

Zum Teil ja mit Schutzimpfungen. Es gibt Impfungen gegen Meningokokken-Erkrankungen. Aber diese Impfungen erfassen nur leider 30 % der Erreger, die in Deutschland die Krankheit verursachen. Gegen mehr als 60 % der hier üblichen Erreger gibt es keinen Impfschutz (das sind die sog. Meningokokken der Serogruppe B).

In England ist das anders. Da werden mit den verfügbaren Impfstoffen mehr als 60 % der Erreger erfaßt. Deshalb wird dort auch die Impfung breit angewendet. Sicher wird auch mal ein Impfstoff gegen den in Deutschland häufigsten Erreger einer Meningokokkeninfektion zur Verfügung stehen. Doch bis dahin werden noch einige Jahre vergehen.

Die Impfstoffherstellung gegen diesen Erreger ist besonders schwierig.

Andere prophylaktische Maßnahmen gibt es leider nicht.

Eines darf nicht unerwähnt bleiben. Die Überlebensrate von Patienten mit einem WFS hat sich in den vergangenen Jahren dank einer verbesserten Intensivtherapie deutlich erhöht.



Mit freundlichen Grüßen



Dr. med. Noack

Facharzt für Kinderheilkunde / Infektiologe

Oberarzt am Institut für Infektiologie, Mikrobiologie und Hygiene

Klinikum Buch




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