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Thema: häufige infekte



Frage an die Kinderklinik Buch:



sehr geehrte damen und herren,
unser sohn geboren am 28.10.97 geht seit
november 2000 in den kindergarten.seit ende
november hat er alle 3 wochen einen anderen
infekt.begonnen hat es mit brochitis,dann kam
eine mittelohrentzündung rechts,gleich darauf
eine mittelohrentzündung links,anfang januar
bekam er eitrige mandeln und seit 2 tagen hat
er mumps.nachdem ich ihn nun immer wieder vom
kindergarten krank gemeldet habebekam ich jetzt
von der leiterin des kindergartens einen vorschlag
sie meinte unser sohn würde den kindergarten wahrscheinlich noch nicht verkraften und würde
deshalb soviele infekte haben,sie hätte das schon bei einigen kindern erlebt.deshalb sollen wir ihn für 3 monate pausieren lassen und ihn dann wieder
bringen.laut kinderarzt sind solche infekte in der
anfangszeit im kindergarten durchaus normal.
welchen rat können sie und geben?
mit freundlichen grüßen
ute.a


Antwort der Experten:

Sehr geehrte Frau A.,

es ist wie bei Ihrem Sohn typisch, mit Beginn der Kindergartenzeit leiden die Kinder häufig unter ständigen Infekten. Leider ist es nicht so, wie oft behauptet, daß ein relativ später Beginn einer Kindergartenunterbringung sich günstiger auf Infekthäufigkeit auswirkt. Aber bitte, Sie brauchen jetzt überhaupt nicht die Nerven zu verlieren, denn was Ihr Kind jetzt erlebt, nämlich die immunologische Auseinandersetzung mit der Umwelt, da muß jedes Kind durch! Ich persönlich halte auch nicht viel von ständigen Kita-Auszeiten, da diese Auseinandersetzung mit den Infekten nur weiter nach hinten verschoben wird. Es ist selten, daß Kinder für eine Kita-Unterbringung wegen häufiger Erkrankung nicht geeignet sind. Wenn Sie arbeiten gehen müssen, so würde ich Ihnen in solch einem (seltenen) Fall eine Kindertagesmutter empfehlen. Mit einem entsprechenden ärztlichen Attest würde die finanzielle Absicherung auch von den entsprechenden kommunalen Trägern übernommen werden. Jedenfalls ist es hier in Berlin-Brandenburg so (zuständig Abt. Jugend und Bildung bzw. Gesundheit und Soziales des Bezirksamtes), hoffentlich gibt es bei Ihnen auch diese Möglichkeiten.

Jetzt noch etwas zu den eigentlichen medizinischen Problemen Ihres Kindes. Ich denke, daß Ihr Kind eigentlich nur ein Problem hat, nämlich einen ständigen Schnupfen (auch, wenn man ihn nicht bemerkt). Das eigentlich Wichtigste wäre jetzt die Behandlung dieses chronischen Schnupfens als Ausgangspunkt aller übrigen Folgeerkrankungen ( Otitis, Angina, Bronchitis, Lungenentzündung etc.) Ihr Kind hat evtl. auch eine vergrößerte sogenannte Rachenmandel (sie liegt verborgen und ist eine nur mit einem speziellen Spiegel des HNO-Arztes sichtbar werdende Wucherung zwischen Nasen-und Rachenraum). Folge ist eine chronische Entzündung im Hals-Nasen-Ohren-bereich. Die Rachenmandelvergrößerung ist dann nämlich meist Ursache der immer wiederkehrenden Entzündungen in diesem Bereich. Ursache ist eine Verlegung der Ohrtrompeten (das ist die Verbindung zwischen Nasen-Rachenraum und Mittelohr) und infolge dessen kommt es zu Minderbelüftung des Mittelohres mit Ergußbildung. Desweiteren ist die Mandelwucherung natürlich ein idealer Sammel-und Vermehrungsplatz für Keime. Zeichen einer Rachenmandelvergrößerung können u.a. sein: ständiger Schnupfen, Mundatmung, offener Mund, Schnarchen, Mundgeruch, näselnde Sprache, ständiger Reizhusten insbesondere im Liegen ( und daher v.a. beim Schlafen, da hier der angesammelte Schleim ungehindert durch fehlenden Schluckreflex abfließen kann!), Schwerhörigkeit und eine Schleim-Eiterstraße an der Rachenhinterwand. Stellen Sie also Ihr Kind am besten einen HNO-Facharzt vor. Ihr Kinderarzt wird Sie sicher gern beraten, zu wem Sie gehen und Ihnen eine Überweisung mit entsprechender Fragestellung mitgeben.

Was können Sie nun erst einmal tun?

Wichtig wäre es, das Kind zum regelmäßigen Naseputzen (am besten am Waschbecken unter lauwarmen Wasser) erziehen. Günstig ist es, wenn Sie vor dem Schlafengehen dem Kind für die nächsten 2-3 Wochen abschwellende Nasentropfen

( Rhinex S am besten!, gibt es auch rezeptfrei in Apotheken) vor dem Schlafengehen mit anschließender Rotlichtbestrahlung der Nase (Achtung, nur unter Aufsicht wegen Verbrennungsgefahr) verabreichen. Die Rotlichtbestrahlung kann man auch günstigerweise durchführen, wenn das Kind eingeschlafen ist. Wenn auch Kamilledampfinhalationen vor dem Schlafengehen gut helfen, so spricht alles für die Dauerschnupfthese durch eine vergrößerte Rachenmandel!

Wenn dies der Fall ist, so wird eine Adenotomie (operative Rachenmandelentfernung) notwendig sein. Dies ist ein relativ unkomplizierter operativer Eingriff, der aber notwendig sein wird, damit Ihr Kind in Zukunft unbelasteter aufwachsen kann und nicht durch ständige Erkrankungen gehandikapt ist.

Etwas gewundert habe ich mich aber über die Mumpserkrankung. Gegen Masern/Mumps und Röteln wird laut deutscher Impfempfehlung 2 mal geimpft. Sicher ist Ihr Kind nicht geimpft worden? Röteln sind sicher keine gefährliche Kinderkrankheit, sie ist nur fatal, wenn Schwangere nicht rötelnimmunisierte Frauen (durch Impfung oder Erkrankung) mit Röteln in Kontakt kommen(in Kindergarteneinrichtungen gehen sicher auch viele wieder werdende Muttis ein und aus!). Mumps geht leider nicht immer so komplikationslos vorbei, wie oft gedacht (gefürchtet sind die Mumpsencephalitis = Gehirnentzündung auch bei kleinen Kindern), oft sind die Kinder dabei wirklich auch sehr krank und unleidlich. Kommt die Mumpserkrankung erst im Jugendlichen-bzw. Erwachsenenalter zum Ausbruch, so müssen männlich Erkrankte mit andauernder Sterilität (Unfruchtbarkeit) rechnen. Und zu den Masern wäre nur zu sagen, sie ist eine mit nicht selten schwersten Komplikationen verlaufende Infektionskrankheit. Ich kann Ihnen nur dazu raten, Ihrem Kind die wichtigsten Impfungen lt. Impfkalender unbedingt noch nachgeben zu lassen. Gerade auch bei Unterbringung in Gemeinschaftseinrichtungen (Kita, später Schule) ist die Ansteckungsgefahr groß. Selbst die USA ist da viel weiter als wir, dadurch daß Kinder vor Unterbringung in Gemeinschaftseinrichtungen geimpft sein müssen, sind z.B. solch gefährliche Erkrankungen wie Masern faktisch ausgerottet. Denken Sie auch an einen positiven wichtigen Nebeneffekt von Impfungen, denn hier kommt es zum gezielten Antikörpertraining bei Ihrem Kind. Man diskutiert heute auch einen günstiger Einfluß von Impfungen auf die Verschiebung des Ausbruchs von allergischen Erkrankungen.



Ich hoffe, Ihnen etwas weitergeholfen zu haben und verbleibe mit vielen Grüßen aus Berlin



DM G.Georgi

Fachärztin für Kinderheilkunde

II.Klinik für Kinderheilkunde und Jugendmedizin am Klinikum Buch





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